Elterliche Präsenz
zwischen Aufopferung und echtem Dasein
„Ich mache doch alles für mein Kind – warum reicht es nicht?“ Diesen Satz höre ich oft in Beratungen. Und meistens steckt dahinter keine Klage, sondern Erschöpfung.
Viele Eltern geben alles. Sie sind da, kümmern sich aufopferungsvoll. Und trotzdem bleibt das Gefühl: Irgendwas stimmt nicht.
Manchmal zeigen Kinder dann Symptome – sie ziehen sich zurück, werden wütend oder verhalten sich auffällig.
Wenn Eltern sich selbst verlieren
In meiner Arbeit begegnen mir oft Eltern, die mit ganzem Herzen für ihr Kind da sind – aber sich selbst dabei aus dem Blick verlieren. Als Paar, aber auch als Einzelperson.
Sie funktionieren, organisieren, sorgen – oft rund um die Uhr. Aber auf die Frage: „Was brauchst du eigentlich gerade?“ wissen sie kaum noch eine Antwort.
Wir glauben oft, gute Eltern zu sein heißt, sich selbst zurückzunehmen.
Aber elterliche Präsenz heißt nicht: sich aufgeben. Sie heißt: da sein – auch für sich selbst.
Elterliche Präsenz heißt nicht nur, für das Kind da zu sein.
Es bedeutet auch, ein Mensch mit eigenen Emotionen, Bedürfnissen und Interessen zu sein.
Kinder brauchen keine perfekten Eltern.
Sie brauchen authentische Erwachsene, die fühlen, sich zeigen und sich selbst wichtig nehmen.
Ein Blick in die eigene Kindheit
In der systemischen Arbeit könnten wir gemeinsam auf folgende Fragen schauen:
- Welche Botschaften habe ich als Kind bekommen?
- Was habe ich über Nähe, Fürsorge oder Selbstwert gelernt?
- Und was davon wirkt heute noch – vielleicht ganz leise – in meinem Familienalltag mit?
Diese biografische Spurensuche ist keine Schuldfrage.
Sie ist ein Schlüssel, um sich selbst besser zu verstehen – und dadurch auch das Verhalten des eigenen Kindes.
Was elterliche Präsenz *nicht* ist
Elterliche Präsenz bedeutet nicht, dass du:
- immer verfügbar sein musst
- jedes Bedürfnis deines Kindes sofort erfüllst
- dich selbst hinten anstellen musst
- als Elternteil funktionierst, aber als Mensch verschwindest
Präsenz ist mehr als „da sein“.
Sie ist eine Qualität von Beziehung – zu deinem Kind und zu dir selbst.
Fazit: Du darfst auch du sein
Elterliche Präsenz entsteht nicht durch Aufopferung.
Sondern durch Verbindung.
Auch mit dir selbst.
„Bin ich eigentlich noch da?“ – Diese Frage kann ein Anfang sein.
Wenn du Lust hast, deine eigene Geschichte zu erforschen oder deine Rolle als Mutter oder Vater neu zu denken, begleite ich dich gerne dabei.
📚 Literaturtipp
Wenn du dich tiefer mit dem Thema beschäftigen möchtest, empfehle ich dir das Buch:
„Autorität ohne Gewalt: Coaching für Eltern von Kindern mit Verhaltensproblemen“
von Haim Omer und Arist von Schlippe.
Es beschreibt das Konzept der elterlichen Präsenz als systemischen Ansatz.
Oder sieh dir mein Tiktokvideo dazu an. Den link zum Profil findest du im Menü.